top of page

Stadtbilder

Stadtbilder - 

„Was erscheint, das ist gut; und was gut ist, erscheint.“

 

Ganz nach Guy Debords „Gesellschaft des Spektakels“ beschäftigen sich die Tafeln mit der Frage nach gelebter Demokratie.

Welchen Einfluss hat ein Publikum, in dem das Spektakel sein Monopol des Scheins in der Wirklichkeit bestimmt?

 

An den Fassaden der Lüftungsanlage auf der Freifläche der Postwiese in München sind große Betonplatten montiert. Die einzelnen Arbeiten stehen sich gegenüber. Beim Betrachten könnte im ersten Moment der Anschein erweckt werden, es handele sich um exakt dieselben Bilder.
Erst beim zweiten Blick stolpert das Auge über Unstimmigkeiten.

Zu sehen ist eine große Zirkusmanege, gerahmt von mehreren Affen, die mitten in ihrer Bewegung innehalten. Zwei große Figuren scheinen zu tanzen. Leichtfüßig und wehenden Kleides drehen sie sich um sich selbst. Ihre Arme weit von sich gestreckt, bereit die ganze Welt zu umarmen. Um die Figuren herum springen Löwen durch brennende Reifen. Abstrakte Ornamente tauchen im Hintergrund auf, sie erinnern an ein Publikum, welches stumm dem bunten Treiben entgegenfiebert.

 

Die Platten zeigen die gleiche Szenerie. Doch sind es die Details, die jedem Bild eine völlig andere Bedeutung beimessen.

Auf manchen Reliefplatten wechseln sich drei Affen ab. Der einen Affe trägt Cymbas in seinen Händen. Er ist im Klang vertieft und ein sinnliches Lächeln umspielt seine Mundwinkel. Daneben ist eine Äffin. Sie trägt ein Bandana um den Kopf, die Augen sind geschlossen. In höchster Konzentration spielt sie ihre Trompete, während ihre High Heels den Takt vorgeben. Der Dritte Affe trägt eine große Trommel vor sich. In seiner Hand hält er einen Schlägel. Er holt gerade aus.

Genau diese drei Affen sind auch auf der gegenüberliegenden Reliefplatte zu sehen, doch wo der eine seine Cymba hatte, befindet sich hier ein aufgeschlagenes Buch. Der Blick ist nicht mehr verträumt, sondern entschlossen. Während die Äffin auf der anderen Seite sich in ihr Trompetenspiel verliert, hat die Figur nun ein Megafon in der Hand und der Affe der gerade noch so schön den Takt auf seiner Trommel vorgab trägt nun einen leeren Topf vor sich. Der Schlägel wird zu einem Löffel.

Den Affen auf diesen Platten wurde eine Fußfessel angelegt.

Die Löwen, welche die Figuren umringen, springen wild entschlossen durch den brennenden Reifen.
Doch ist es Mut oder Zwang, der sie zu derart gefährlichen Dingen antreibt? Auf anderen Bildern springen die Löwen auch, doch fehlt hier der brennende Reifen.

Während die eine Äffin als Seiltänzerin drei Bälle jongliert, trägt die andere eine Augenbinde. Sie kann nichts sehen. Ihre Arme sind ausgebreitet, doch nicht um die Welt zu umarmen sondern um die Schwerter aufzufangen, welche sie in schwindelerregender Höhe, balancierend auf einer dünnen Kordel, durch die Luft wirbelt. Sie jongliert mit verschlossenen Augen, während bereits der nächste Schritt sie in die Tiefe reißen könnte. Dennoch ist sie entschlossen, das zeigt auch das Schwert, dass sie zwischen den Zähnen trägt. Auch sie hat eine Fußfessel an, doch scheint es ihr nicht zu schlecht zu gehen, denn sie trägt auch teuren Schmuck. Ein Ring, mit dickem Klunker ziert ihre Hand. Um den Hals liegt eine schwere Kette mit einem Anhänger. Erst auf den zweiten Blick lässt sich darauf das Symbol einer Waage erkennen. 

bottom of page